Kurzantwort:
Dass mehrere eigene URLs für dieselbe oder ähnliche Suchanfragen Impressionen erhalten, ist allein noch kein SEO-Fehler.
Prüfen sollten Sie die Situation, wenn mehrere Seiten dieselbe Nutzeraufgabe erfüllen, sich Inhalte stark überschneiden, unterschiedliche URLs für dieselbe Suchanfrage wechseln oder die eigentlich gewünschte Zielseite dauerhaft nicht die erwartete Sichtbarkeit erhält.
Was bedeutet Keyword-Kannibalisierung?
„Keyword-Kannibalisierung“ ist ein in der SEO-Praxis verwendeter Begriff für Situationen, in denen mehrere Seiten derselben Website um sehr ähnliche Suchanfragen beziehungsweise dieselbe Suchintention konkurrieren.
Der entscheidende Punkt ist dabei nicht, dass auf zwei Seiten dasselbe Wort vorkommt.
Mehrere Seiten dürfen selbstverständlich dieselben Fachbegriffe verwenden. Relevant wird die Überschneidung erst dann, wenn Seiten inhaltlich nahezu dieselbe Aufgabe übernehmen und damit keine klare Seitenzuordnung mehr erkennbar ist.
Zwei Seiten für dasselbe Keyword sind nicht automatisch ein Problem
Eine Suchanfrage kann mehrere unterschiedliche Bedürfnisse besitzen.
Eine Website kann deshalb beispielsweise sowohl einen Wissensartikel als auch eine Leistungsseite besitzen, die einen ähnlichen Begriff verwenden, solange beide Seiten unterschiedliche Aufgaben erfüllen.
Beispiel:
| Seite | Aufgabe | Überschneidung problematisch? |
|---|---|---|
| Wissensartikel | Problem erklären und Diagnose ermöglichen | nicht zwingend |
| Leistungsseite | konkrete Leistung, Vorgehen und Anfrage erklären | nicht zwingend |
| Zwei nahezu identische Leistungsseiten | beide sollen dieselbe Leistung für dieselbe Zielgruppe und Suchintention abdecken | genauer prüfen |
Ob ein Inhalt als Wissensartikel oder Leistungsseite sinnvoller ist, behandelt ausführlicher: „Blog oder Leistungsseite – welcher Inhalt gehört wohin?“ .
Wann sollte eine Überschneidung genauer untersucht werden?
Typische Prüfsignale sind:
- zwei Seiten erfüllen praktisch dieselbe Suchintention,
- Überschriften und Inhalte sind stark ähnlich,
- mehrere Seiten behandeln dieselbe Leistung ohne klare Abgrenzung,
- interne Links verteilen sich uneinheitlich auf mehrere ähnliche Zielseiten,
- unterschiedliche eigene URLs erscheinen für dieselbe wichtige Suchanfrage,
- oder eine fachlich bevorzugte Seite erhält dauerhaft kaum Sichtbarkeit, während eine andere eigene Seite erscheint.
Keines dieser Signale beweist allein ein Problem. Sie zeigen lediglich, wo eine genauere Analyse sinnvoll ist.
Mit der Google Search Console prüfen, welche Seiten erscheinen
Der Leistungsbericht der Google Search Console kann zeigen, mit welchen Suchanfragen eine Website Impressionen und Klicks erhält.
Für eine konkrete Suchanfrage lässt sich der Bericht filtern. Anschließend kann im Bereich „Seiten“ geprüft werden, welche URLs für diese Suchanfrage in den Suchergebnissen erschienen sind.
Ein sinnvoller Prüfablauf ist:
- Relevante Suchanfrage auswählen.
- Den Bericht auf diese Suchanfrage filtern.
- Zur Dimension „Seiten“ wechseln.
- Prüfen, welche URLs Impressionen und Klicks erhalten.
- Einen ausreichend langen Zeitraum betrachten.
- Bei Bedarf verschiedene Zeiträume miteinander vergleichen.
Search-Console-Daten haben Grenzen
Die Daten sollten nicht als vollständiges Abbild sämtlicher Suchvorgänge interpretiert werden.
Google weist unter anderem darauf hin, dass bestimmte Suchanfragen aus Datenschutzgründen anonymisiert werden und nicht jede Datenzeile in der Oberfläche verfügbar ist.
Außerdem werden Leistungsdaten bei Seiten weitgehend der kanonischen URL zugerechnet.
Wenn zwei technische URL-Varianten von Google bereits als Duplikate zusammengefasst werden, ist deshalb besondere Vorsicht bei der Interpretation erforderlich.
Schwankende URLs sind noch kein Beweis für Kannibalisierung
Dass Google zu unterschiedlichen Zeitpunkten unterschiedliche Seiten derselben Website zeigt, beweist allein nicht, dass ein technischer Fehler besteht.
Suchergebnisse können sich je nach Suchkontext verändern. Außerdem können mehrere Seiten für ähnliche Formulierungen unterschiedliche Relevanz besitzen.
Entscheidend ist deshalb die Kombination aus:
- Suchintention,
- Seiteninhalt,
- tatsächlicher Seitenaufgabe,
- interner Verlinkung,
- und beobachteter Suchleistung.
Zuerst die Suchintention der Seiten vergleichen
Bevor Seiten zusammengeführt oder technisch verändert werden, sollte geklärt werden, ob sie tatsächlich dieselbe Aufgabe erfüllen.
Prüfen Sie für jede betroffene URL:
- Welche konkrete Nutzerfrage beantwortet die Seite?
- Handelt es sich um Information, Vergleich, lokale Suche oder konkrete Leistungsabsicht?
- Welcher nächste Schritt ist nach dem Lesen vorgesehen?
- Würde ein Nutzer beide Seiten aus demselben Grund besuchen?
Wenn die Antworten deutlich verschieden sind, kann eine getrennte Seitenstruktur vollkommen sinnvoll sein.
Fall 1: Beide Seiten haben unterschiedliche Aufgaben
Dann muss nicht zwangsläufig etwas zusammengeführt werden.
Sinnvoll kann stattdessen sein, die Unterschiede klarer herauszuarbeiten:
- eindeutigere Seitentitel,
- präzisere Hauptüberschriften,
- klarere Inhalte,
- passende interne Links,
- sowie eine nachvollziehbare Rolle innerhalb der Website-Struktur.
Fall 2: Zwei Seiten erfüllen praktisch dieselbe Aufgabe
Hier sollte geprüft werden, ob tatsächlich zwei eigenständige URLs benötigt werden.
Wenn beide Seiten weitgehend dieselbe Suchintention, Leistung und Information abdecken, kann eine gemeinsame stärkere Seite sinnvoller sein als zwei sehr ähnliche Inhalte.
Dabei sollte nicht automatisch die kürzere oder schlechter rankende Seite gelöscht werden. Entscheidend ist, welche Inhalte, Signale und Verlinkungen erhalten werden sollen.
Inhalte zusammenführen und alte URL weiterleiten
Wenn eine Seite dauerhaft entfallen soll und ihre Inhalte in einer anderen fachlich passenden Seite aufgehen, kann eine permanente Weiterleitung auf das neue Ziel sinnvoll sein.
Dafür sollte das Ziel den bisherigen Inhalt tatsächlich sinnvoll ersetzen.
Zur Wahl des Statuscodes: „301 oder 302 Weiterleitung – welche ist für SEO richtig?“ .
Canonical ist kein allgemeiner Kannibalisierungs-Schalter
Ein Canonical dient dazu, bei doppelten oder sehr ähnlichen Seiten eine bevorzugte kanonische URL zu signalisieren.
Es sollte nicht einfach auf zwei unterschiedliche Seiten gesetzt werden, nur weil beide für dasselbe Keyword sichtbar sind.
Wenn zwei Seiten unterschiedliche Inhalte und Suchintentionen besitzen, ist ein Canonical von einer Seite auf die andere normalerweise keine sinnvolle Lösung für die bloße Keywordüberschneidung.
noindex ist ebenfalls keine Standardlösung
Eine noindex-Anweisung sorgt dafür, dass eine Seite
nicht im Suchindex erscheinen soll.
Deshalb sollte sie nicht reflexartig eingesetzt werden, nur weil zwei URLs für ähnliche Suchanfragen sichtbar sind.
Zuerst sollte geklärt werden, ob die Seite überhaupt weiterhin einen eigenständigen Zweck besitzt.
Interne Verlinkung auf die gewünschte Seitenstruktur ausrichten
Wenn eine bestimmte URL die zentrale Seite für ein Thema oder eine Leistung sein soll, sollte die interne Verlinkung diese Struktur nachvollziehbar unterstützen.
Problematisch ist beispielsweise eine Situation, in der Navigation, Wissensartikel und Leistungsseiten abwechselnd auf verschiedene nahezu identische Zielseiten verweisen.
Interne Links sollten deshalb nicht nach einem starren Keyword-Schema, sondern passend zum tatsächlichen Ziel und Kontext gesetzt werden.
Keywordstrategie und Seitenarchitektur gehören zusammen
Problematische Überschneidungen entstehen häufig bereits bei der Contentplanung.
Wenn für jede leichte Keywordvariante eine neue Seite erstellt wird, können viele sehr ähnliche URLs entstehen.
Wenn mehrere Varianten dagegen dieselbe Suchintention und dasselbe Angebot beschreiben, können sie häufig gemeinsam in einer sinnvollen Zielseite behandelt werden.
Die grundlegende Themenzuordnung behandelt: „Welche Keywords sind für meine Unternehmenswebsite sinnvoll?“ .
Praktische Diagnose-Checkliste
- Wichtige Suchanfrage in der Search Console auswählen.
- Prüfen, welche eigenen URLs dafür Impressionen erhalten.
- Suchintention und Aufgabe dieser Seiten vergleichen.
- Inhalte, Titel und interne Verlinkung vergleichen.
- Feststellen, ob tatsächlich mehrere eigenständige Seiten benötigt werden.
- Bei unterschiedlichen Aufgaben die Abgrenzung verbessern.
- Bei nahezu identischen Aufgaben Zusammenführung prüfen.
- Bei dauerhaft entfallenden URLs passende permanente Weiterleitungen einrichten.
- Canonicals nur bei tatsächlich doppelten oder sehr ähnlichen Varianten gezielt einsetzen.
- Entwicklung nach Änderungen erneut in der Search Console beobachten.
Fazit
Mehrere Seiten für dieselbe oder ähnliche Suchanfrage sind nicht automatisch ein SEO-Problem.
Entscheidend ist, ob die Seiten unterschiedliche Nutzeraufgaben erfüllen oder praktisch dieselbe Suchintention abdecken.
Search-Console-Daten helfen dabei, betroffene URLs zu finden. Die eigentliche Entscheidung entsteht anschließend aus Suchintention, Inhalt, Seitenfunktion und interner Verlinkung.
Erst danach sollte entschieden werden, ob Seiten getrennt bleiben, klarer abgegrenzt oder sinnvoll zusammengeführt werden.
Offizielle Google-Quellen
Die Aussagen zur Analyse von Suchanfragen und Seiten sowie zur Kanonisierung und zu permanenten Weiterleitungen stützt SEOIO auf die offiziellen Dokumentationen von Google.
Google Search Console: Häufige Aufgaben im Leistungsbericht
Google Search Console: Suchanfragen, Seiten und Datengruppierungen
Google Search Central: Kanonisierung und Canonical-URLs
Google Search Central: Weiterleitungen und Google Search
Quellen und redaktioneller Maßstab von SEOIO Wissen
Google und Google Search Console sind Marken von Google. SEOIO steht in keiner geschäftlichen Verbindung zu Google. Die Bezeichnungen werden ausschließlich zur sachlichen Beschreibung verwendet.