Kurzantwort: Eine gute Wettbewerbsseite erklärt zunächst, um welchen Wettbewerb und welche Aufgabenstellung es ging. Danach sollten der konkrete Beitrag des Büros, sein Status und das veröffentlichbare Ergebnis nachvollziehbar dargestellt werden.
Pläne, Modelle und Visualisierungen können den Beitrag erklären, ersetzen aber nicht die textliche Einordnung.
Wettbewerbsbeitrag und realisiertes Projekt sind nicht dasselbe
Ein Wettbewerb dokumentiert zunächst einen planerischen Beitrag zu einer gestellten Aufgabe. Daraus folgt nicht automatisch, dass der Beitrag später realisiert wurde.
Genau deshalb sollte eine Website Wettbewerbsbeiträge nicht so darstellen, als handele es sich ohne weitere Erklärung um gebaute Referenzprojekte.
Für normale Projekt- und Referenzseiten gibt es bereits: Wie sollten Architekturbüros Referenzprojekte auf ihrer Website darstellen?
1. Wettbewerb und Aufgabenstellung zuerst einordnen
Besucher sollten erkennen können, in welchem Kontext der Beitrag entstanden ist.
Je nach veröffentlichbaren Informationen können dazu beispielsweise gehören:
- Name oder Bezeichnung des Wettbewerbs,
- Art und Gegenstand der Planungsaufgabe,
- Ort beziehungsweise räumlicher Kontext,
- Jahr oder Wettbewerbszeitraum,
- Auslober, soweit die Veröffentlichung vorgesehen ist.
Es geht nicht darum, die vollständige Auslobung zu reproduzieren. Die Seite sollte genügend Kontext bieten, um den eigenen Beitrag verstehen zu können.
2. Den tatsächlichen Status des Beitrags eindeutig benennen
Ein Wettbewerbsbeitrag kann unterschiedliche Ergebnisse haben. Deshalb sollte die Website nur den tatsächlich zutreffenden Status nennen.
Die Richtlinie für Planungswettbewerbe und die Informationen der Architektenkammern unterscheiden im Wettbewerbsverfahren unter anderem Preise und Anerkennungen.
Formulierungen wie „1. Preis“, „2. Preis“ oder „Anerkennung“ sollten deshalb nur verwendet werden, wenn genau dieses Ergebnis vorliegt.
Eine bloße Teilnahme sollte nicht sprachlich wie eine Auszeichnung wirken.
3. Die Rolle des Architekturbüros beschreiben
Auch bei Wettbewerben können mehrere Büros, Arbeitsgemeinschaften oder Fachplaner beteiligt sein.
Die Seite sollte deshalb erkennen lassen, welche Rolle das eigene Büro innerhalb des Wettbewerbsbeitrags hatte.
Bei Arbeitsgemeinschaften oder Kooperationen ist eine sachliche Zuordnung der Beteiligten hilfreicher als eine allgemeine Formulierung, die den tatsächlichen Beitrag nicht erkennen lässt.
4. Konzeptbeschreibung statt bloßer Bildsammlung
Wettbewerbsbeiträge enthalten häufig Pläne, Modelle, Visualisierungen und erläuternde Texte.
Auf der Website sollte daraus keine unkommentierte Galerie werden. Eine kurze Konzeptbeschreibung kann erklären, welche Grundidee dem Beitrag zugrunde lag und wie auf die Aufgabenstellung reagiert wurde.
Die Beschreibung sollte sich auf tatsächlich dokumentierte Inhalte des Beitrags stützen und keine nachträgliche Erfolgsgeschichte konstruieren.
5. Pläne und Visualisierungen benötigen Kontext
Grundrisse, Schnitte, Lagepläne, Modelle oder Renderings sind für fachkundige Besucher oft sehr aussagekräftig. Andere Besucher benötigen möglicherweise zusätzliche Orientierung.
Sinnvoll kann deshalb eine kurze Einordnung sein, die erklärt, was eine Darstellung zeigt und warum sie für das Konzept relevant ist.
Allgemeine Hinweise zur Einbindung von Projektbildern finden Sie im bestehenden Artikel zu Referenzprojekten auf Architekten-Websites .
6. Ergebnisinformationen vom eigenen Konzept trennen
Die Beschreibung des eigenen Entwurfs und die Dokumentation des Wettbewerbsergebnisses erfüllen unterschiedliche Aufgaben.
Es kann deshalb sinnvoll sein, einen Abschnitt zum eigenen Konzept und einen getrennten Abschnitt zum Wettbewerbsergebnis zu verwenden.
So bleibt erkennbar, welche Aussagen das Büro selbst über den eigenen Beitrag macht und welche Informationen das dokumentierte Ergebnis des Wettbewerbs betreffen.
7. Eine spätere Realisierung separat kennzeichnen
Aus einem Wettbewerbsbeitrag kann später ein realisiertes Projekt entstehen. Wenn dies der Fall ist, sollte die zeitliche Entwicklung nachvollziehbar bleiben.
Der ursprüngliche Wettbewerbsbeitrag und das spätere realisierte Projekt können miteinander verknüpft werden, sollten aber nicht ohne Erklärung miteinander verschmelzen.
Eine mögliche Struktur lautet beispielsweise: Wettbewerb – Ergebnis – weitere Planung – Realisierung.
8. Wettbewerbsübersichten benötigen eine nachvollziehbare Ordnung
Architekturbüros mit mehreren Wettbewerbsbeiträgen können diese auf einer übergeordneten Übersichtsseite zusammenführen.
Sinnvolle Orientierungskriterien können je nach tatsächlichem Bestand beispielsweise Jahr, Aufgabenart oder Status sein.
Filter und Kategorien sollten dem vorhandenen Portfolio dienen und nicht nur entstehen, um zahlreiche zusätzliche URLs zu erzeugen.
9. PDF und HTML können unterschiedliche Aufgaben erfüllen
Wettbewerbsdokumentationen liegen häufig zusätzlich als PDF vor. Eine PDF-Datei und eine Website-Seite erfüllen jedoch nicht zwingend dieselbe Aufgabe.
Auf der Website kann eine kompakte HTML-Darstellung zunächst den Wettbewerb und den eigenen Beitrag einordnen. Ein weiterführendes Dokument kann ergänzend angeboten werden, sofern es veröffentlicht werden darf und für Besucher tatsächlich hilfreich ist.
10. Veröffentlichung und Nutzungsrechte separat klären
Ob Pläne, Jurytexte, Auslobungsunterlagen, Fotografien oder andere Wettbewerbsunterlagen veröffentlicht werden dürfen, lässt sich nicht allein aus einer sinnvollen Website-Struktur ableiten.
Vor einer Veröffentlichung sollten deshalb die tatsächlich geltenden Wettbewerbsbedingungen, Freigaben und Rechte geklärt werden.
Dieser Artikel bewertet keine urheberrechtlichen, vergaberechtlichen, wettbewerbsrechtlichen oder vertraglichen Fragen.
Checkliste für eine Wettbewerbsseite
- Ist der Wettbewerb eindeutig bezeichnet?
- Ist die Aufgabenstellung verständlich eingeordnet?
- Ist die tatsächliche Rolle des Büros erkennbar?
- Ist der Wettbewerbsstatus korrekt benannt?
- Sind Preis oder Anerkennung nur genannt, wenn sie tatsächlich vorliegen?
- Ist der eigene Beitrag von der Ergebnisinformation getrennt?
- Haben Pläne und Visualisierungen ausreichend Kontext?
- Ist eine spätere Realisierung als eigener Status erkennbar?
- Sind veröffentlichte Unterlagen und Bilder intern freigegeben?
- Ist die Seite sinnvoll in die Projekt- oder Wettbewerbsübersicht eingebunden?
Offizielle Grundlagen zur Wettbewerbssystematik
Für Begriffe und Ablauf des Wettbewerbsverfahrens wurden die Richtlinie für Planungswettbewerbe RPW 2013 sowie Informationen der Architektenkammer Nordrhein-Westfalen herangezogen.
Die Quellen finden Sie zentral unter Quellen zu Architekturwettbewerben .
Fazit
Ein Wettbewerbsbeitrag sollte auf einer Architekten-Website so dargestellt werden, dass sein Status nicht mit einem realisierten Referenzprojekt verwechselt werden kann.
Aufgabenstellung, Rolle des Büros, Konzept, Ergebnis und Visualisierungen sollten gemeinsam genügend Kontext liefern, um den Beitrag korrekt einzuordnen.
Eine eigenständige Wettbewerbsseite ist besonders dann sinnvoll, wenn tatsächlich genügend veröffentlichbarer Inhalt vorhanden ist.
Persönliche Einschätzung
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Ich unterstütze Sie dabei, Wettbewerbsstatus, Projektkontext und Website-Struktur klar voneinander abzugrenzen.