Kurzantwort: Eine eigenständige Projektseite ist sinnvoll, wenn zu einem Projekt genügend veröffentlichbare Informationen und Bilder vorhanden sind, um es nachvollziehbar einzuordnen. Projektart, Nutzung, Rolle des Büros, Projektstatus, Leistungsumfang und ausgewählte Bilder sollten zusammen ein verständliches Gesamtbild ergeben.
Eine reine Galerie kann visuell stark sein, lässt jedoch häufig offen, welche Aufgabe bearbeitet wurde und welche Leistungen tatsächlich zum Projekt gehörten. Umgekehrt braucht nicht jedes kleine Projekt automatisch eine eigene URL.
Projektübersicht und einzelne Projektseite erfüllen unterschiedliche Aufgaben
Eine Projektübersicht bietet Orientierung. Sie zeigt beispielsweise ausgewählte Projekte nach Nutzung, Bauaufgabe oder Themenbereich und führt zu weiterführenden Informationen.
Eine einzelne Projektseite kann anschließend erklären, was das konkrete Projekt auszeichnet. Sie sollte nicht lediglich dieselben Bilder aus der Übersicht vergrößert wiederholen.
1. Wann ist eine eigene Projektseite sinnvoll?
Eine eigene Projektseite kann besonders dann sinnvoll sein, wenn mehrere der folgenden Punkte erfüllt sind:
- Das Projekt besitzt eine klar erkennbare Bauaufgabe oder Nutzung.
- Die Rolle des Architekturbüros lässt sich konkret beschreiben.
- Es gibt eigenständige Projektdaten und erläuternden Kontext.
- Mehrere aussagekräftige und veröffentlichbare Bilder sind vorhanden.
- Das Projekt ergänzt einen wichtigen Leistungs- oder Projektschwerpunkt des Büros.
- Die Darstellung würde in einer allgemeinen Galerie zu stark verkürzt.
Eine eigene URL sollte dagegen nicht allein deshalb entstehen, weil sich für das Projekt zusätzliche Suchbegriffe formulieren lassen.
2. Welche Projektdaten helfen bei der Einordnung?
Welche Angaben sinnvoll sind, hängt vom jeweiligen Projekt ab. Mögliche Informationen sind beispielsweise:
- Projektbezeichnung,
- Projektart oder Nutzung,
- Ort oder Region, soweit veröffentlichbar,
- Jahr beziehungsweise Projektzeitraum,
- Projektstatus,
- Rolle des Architekturbüros,
- Leistungsumfang oder bearbeitete Projektphasen, soweit zutreffend,
- Größe oder andere für die Einordnung hilfreiche Rahmendaten,
- beteiligte Partner, soweit für das Projekt relevant und veröffentlichbar.
Nicht jedes Projekt braucht sämtliche Angaben. Entscheidend ist, dass die ausgewählten Daten die Einordnung verbessern und nicht nur ein formales Datenblatt erzeugen.
3. Die Rolle des Architekturbüros klar beschreiben
Ein Referenzprojekt sollte erkennen lassen, welchen Anteil das Büro tatsächlich übernommen hat. Das ist besonders wichtig, wenn mehrere Büros, Fachplaner oder andere Beteiligte an einem Projekt gearbeitet haben.
Eine sachliche Beschreibung ist hilfreicher als eine allgemeine Erfolgsaussage. Sie kann beispielsweise darstellen, welche Aufgabe, Planung oder gestalterische Verantwortung übernommen wurde.
Angaben zu Auftraggebern, Projektpartnern, Standorten und Bildmaterial sollten nur veröffentlicht werden, wenn die Veröffentlichung intern geklärt ist.
4. Realisiertes Projekt, Planung und Wettbewerb unterscheiden
Besucher sollten erkennen können, welchen Status ein Projekt hat. Ein realisiertes Gebäude, ein laufendes Projekt, eine Konzeptstudie und ein Wettbewerbsbeitrag sind unterschiedliche Referenzarten.
Diese Unterscheidung verhindert, dass ein Wettbewerbsentwurf wie ein ausgeführtes Projekt wirkt oder eine frühe Planung ohne Kontext neben realisierten Referenzen steht.
Wettbewerbsbeiträge benötigen zusätzlich eine klare Einordnung von Aufgabenstellung, Wettbewerbsstatus und Ergebnis. Dazu finden Sie: Wie sollten Architekturbüros Wettbewerbsbeiträge auf ihrer Website darstellen?
5. Bilder brauchen erklärenden Projektkontext
Architekturprojekte sind stark visuell geprägt. Trotzdem sollte eine Projektseite nicht ausschließlich aus Bildern bestehen.
Google weist in seinen aktuellen Empfehlungen für Bilder darauf hin, dass der Inhalt und die Metadaten der Seite beeinflussen können, wie ein Bild in der Suche eingeordnet wird. Bilder sollten möglichst in einem passenden inhaltlichen Zusammenhang stehen.
Praktisch bedeutet das: Ein Projektfoto sollte auf einer Seite stehen, die das dargestellte Projekt tatsächlich erklärt.
Die verwendeten Google-Quellen sind unter Quellen zu Architektur-Projektseiten und Bildern dokumentiert.
6. Alt-Texte beschreiben das Bild – nicht die Keywordliste
Ein Alt-Text sollte die relevante Bildinformation verständlich beschreiben. Eine Ansammlung von Orts-, Leistungs- oder Architekturkeywords ist dafür nicht notwendig.
Google bezeichnet den Alt-Text als wichtige Bildinformation und rät ausdrücklich von Keyword-Stuffing in Alt-Attributen ab.
Bei einem Projektbild kann ein Alt-Text beispielsweise das gezeigte Gebäude, den relevanten Gebäudeteil oder die dargestellte Innenraumsituation beschreiben – soweit diese Information für das Bild tatsächlich zutrifft.
7. Wichtige Projektbilder nicht nur als CSS-Hintergrund einsetzen
Wenn ein Bild für das Projekt inhaltlich relevant und für die Bildsuche auffindbar sein soll, sollte es nicht ausschließlich als dekorativer CSS-Hintergrund eingebunden werden.
Google dokumentiert, dass Bilder aus dem src-Attribut
regulärer img-Elemente verarbeitet werden können,
CSS-Hintergrundbilder dagegen nicht indexiert werden.
Das bedeutet nicht, dass CSS-Hintergründe generell ungeeignet sind. Für rein dekorative Gestaltung können sie weiterhin sinnvoll sein. Inhaltlich wichtige Projektbilder sollten jedoch als echte Bildinhalte behandelt werden.
8. Bildqualität und Ladezeit gemeinsam betrachten
Große Architekturaufnahmen benötigen genügend Qualität, um Details erkennbar zu machen. Gleichzeitig können sehr große Bilddateien eine Projektseite unnötig verlangsamen.
Google empfiehlt deshalb sowohl hochwertige Bilder als auch Bildoptimierung und responsive Auslieferung.
Die technische Umsetzung sollte Bildqualität, Dateigröße, Bildschirmgröße und Ladeverhalten gemeinsam berücksichtigen.
9. Projekte sinnvoll gruppieren, aber nicht künstlich vervielfachen
Bei einem größeren Portfolio kann eine Gruppierung sinnvoll sein, beispielsweise nach Nutzung, Bauaufgabe oder fachlichem Schwerpunkt.
Für ein Architekturbüro könnten das je nach tatsächlichem Portfolio beispielsweise Wohnbau, Gewerbe, öffentliche Gebäude, Innenarchitektur oder Sanierung sein.
Solche Gruppen sollten aus dem realen Projektbestand entstehen. Es ist nicht sinnvoll, dieselben Projekte auf vielen nahezu identischen Kategorieseiten nur mit unterschiedlichen Begriffen erneut aufzubereiten.
10. Referenzprojekt und Leistungsseite nicht miteinander verwechseln
Eine Leistungsseite erklärt, welche Leistung ein Architekturbüro anbietet. Eine Projektseite zeigt dagegen an einem konkreten Beispiel, wie eine Aufgabe bearbeitet wurde.
Beide Seitentypen können miteinander verknüpft werden. Ein Projekt aus dem Gewerbebau kann beispielsweise auf die passende Leistungsdarstellung verweisen, sofern der Zusammenhang für Besucher nachvollziehbar ist.
Die allgemeine Trennung verschiedener Seitentypen erläutert: Blog oder Leistungsseite – welcher Inhalt gehört wohin?
11. Projektbeschreibungen brauchen eigenen Informationswert
Nicht jede Projektseite benötigt einen langen Text. Entscheidend ist, ob ein Besucher nach der Seite besser versteht, was das Projekt war und welche Rolle das Büro dabei hatte.
Eine Serie nahezu identischer Projekttexte, bei denen lediglich Projektname und Ort ausgetauscht werden, schafft dagegen wenig zusätzlichen Informationswert.
Für die Frage nach dem angemessenen Textumfang gilt deshalb auch hier: Wie lang sollte ein SEO-Text sein?
12. Was gehört auf die Projektübersicht?
Eine Projektübersicht sollte nicht versuchen, jede Information der Detailseiten vorwegzunehmen. Ihre Aufgabe ist Auswahl und Orientierung.
Sinnvoll können beispielsweise sein:
- ein repräsentatives Projektbild,
- Projektname oder verständliche Projektbezeichnung,
- Projektart beziehungsweise Nutzung,
- Ort oder Region, sofern sinnvoll und veröffentlichbar,
- Projektstatus oder Jahr, wenn dies bei der Auswahl hilft,
- ein klarer Link zur jeweiligen Projektseite.
Checkliste für eine Architektur-Projektseite
- Ist die Projektart eindeutig?
- Ist der Projektstatus erkennbar?
- Ist die tatsächliche Rolle des Büros beschrieben?
- Sind nur relevante und veröffentlichbare Projektdaten enthalten?
- Erklärt der Text mehr als die Bilder allein?
- Stehen wichtige Bilder in einem passenden textlichen Kontext?
- Sind Alt-Texte beschreibend statt mit Keywords überladen?
- Sind Bildqualität und Ladeperformance sinnvoll ausbalanciert?
- Ist das Projekt einer nachvollziehbaren Portfolio-Struktur zugeordnet?
- Gibt es bei Bedarf einen sinnvollen Link zu passenden Leistungen?
Für die übergeordnete Website-Struktur gilt zusätzlich: Welche Seiten braucht eine Unternehmenswebsite?
Fazit
Referenzprojekte sollten auf einer Architekten-Website nicht nur visuell ansprechend, sondern fachlich einordenbar sein.
Eine gute Projektseite erklärt, worum es bei dem Projekt ging, welche Rolle das Büro hatte und wie Bilder, Projektdaten und Leistungsbezug zusammengehören.
Nicht jedes Projekt benötigt eine eigene URL. Wo ausreichend eigenständiger Inhalt vorhanden ist, können einzelne Projektseiten jedoch deutlich mehr Orientierung bieten als eine reine Galerie.
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